Meldepflichtige Ereignisse
Meldepflichtiges Ereignis Kernkraftwerk Isar 2 (KKI 2): Spannungslosigkeit der 24/48V GS-Verteilung in der Scheibe 50 während des Brennelementwechsels
Datum des Ereignisses
29.09.2021
Beschreibung
Mit Meldung vom 04.10.2021 hat die Betreiberin des KKI 2 dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz folgendes Ereignis gem. § 6 Atomrechtliche Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung angezeigt:
Betriebszustand vor dem Ereignis:
Revision
Beschreibung:
Am 29.09.21 wurde an den Gleichrichtern BTU 11/12 ein Baugruppentausch durchgeführt. Der Austausch ergab sich aufgrund der WLN 2018/02a und des KKI2 ME03/2020. Im Anschluss an den Austausch erfolgte eine Teilprüfung in Anlehnung an die jeweilige Gleichrichter WKP BTU 60.1/1. Bei der Prüfung wurde gemäß Prüfablauf der Einspeiseschalter BTW51GR001 der 24/48V GS-Verteilung BWE um 10:27 Uhr geöffnet, der die Elektronikschränke der Sicherheitsleittechnik (inkl. Schränke des Reaktorschutzes) der Scheibe 50 versorgt.
Die Elektronikschränke werden jeweils über eine diodenentkoppelte Doppeleinspeisung von den Schienen BWE und BWF (Scheibe 60) der Gleichstromverteilung versorgt.
Die Scheibe 60 war aufgrund geplanter Revisionstätigkeiten freigeschaltet. Somit stand die diodenentkoppelte Doppeleinspeisung aus der 24/48V GS-Verteilung BWF nicht zur Verfügung.
 
Auswirkungen:
Das Öffnen des Einspeiseschalters BTW51GR001 führte zur Spannungslosigkeit der 24/48V GS-Verteilung BWE sowie der unterlagerten Verbraucher. Zu den wesentlichen Verbrauchern zählen die Schränke der Sicherheitsleittechnik.
Unter Anderem waren folgende Einrichtungen betroffen:
- Aufgrund der fehlenden Versorgungsspannung des RS-Systems konnten keine Abschlussglieder in der Redundanz 10/50 angeregt und keine Signale an die Vorrangebene ausgegeben werden.
- Die Ansteuerung der Komponenten des Nachkühlstranges 10 inkl. der Notstromversorgung war nicht mehr möglich.
- Einzelne Komponenten der Störfallinstrumentierung waren kurzzeitig nicht verfügbar.
Mit Wiederherstellung der Spannungsversorgung der Elektronikschränke nach ca. 15 Minuten durch Schließen des Einspeiseschalters BTW51GR001 wurden Reaktorschutzsignale in der Redundanz 10/50 ausgelöst. Dabei kam es zum Start des Notstromdiesels 10 und der Bereichsumschaltung EvA in Redundanz 10/50. Die Störfallinstrumentierung war wieder vollständig verfügbar. Die Anlage befand sich zum Zeitpunkt des Ereigniseintritts im Zustand unterkritisch kalt / drucklos, BE-Beckenschütz und Trennschütz waren gezogen. Der Reaktorkern war teilentladen. In diesem Anlagenzustand werden auslegungsgemäß 2 Kühlstränge zur Nachwärmeabfuhr benötigt. Nach Ereigniseintritt standen weiterhin die Redundanzen 30 und 80 sowie der 3. Beckenkühlstrang FAK20 zur Verfügung. Die Nachwärmeabfuhr war jederzeit sichergestellt.
 
Maßnahmen, Behebung:
Die Spannungsversorgung der betroffenen Verteilung BWE wurde durch das Schließen des Einspeiseschalters BTW51GR001 wiederhergestellt. Anschließend wurde das Reaktorschutzsystem in den Grundzustand versetzt und der Ausgangszustand der Eigenbedarfsanlage Redundanz 10/50 wiederhergestellt. Mit Durchführung der Reaktorschutz-WKP JRV57.1 stand die Redundanz 10 um 14:45 Uhr wieder vollumfänglich zur Verfügung. Der Baugruppentausch an den Gleichrichtern BTU11/12 wurde aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Funktionsprüfung der neu eingesetzten Baugruppen rückgängig gemacht.
Meldekategorie
Meldekategorie N (= Normal)
Internationale Bewertungsskala INES = 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung)
Bewertung
Das Ereignis hatte keine unzulässigen Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb und die Umgebung.