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Wasserzukunft Bayern 2050

Der Klimawandel ist die merklichste Folge der menschengemachten Veränderungen unserer Welt. Diese Veränderungen greifen mittlerweile für alle spür- und unübersehbar in das tägliche Leben ein.

 Die „Wasserzukunft Bayern 2050“ ist die integrale Strategie der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung zur mittel- bis langfristigen Bewirtschaftung unserer Wasserressourcen, die für bislang absehbare Folgen des Klimawandels und weitere Veränderungsfaktoren  Anpassungsmaßnahmen ableitet. Sie umfasst die vier strategischen Bereiche Wassersicherheit (Trockenheit und Dürre), Hochwasserschutz, Ökologie und Sozialfunktion.

Das Programm Wassersicherheit 2050

Das Programm Wassersicherheit 2050 deckt ein umfangreiches Trockenheits- und Dürremanagement ab. Dabei stehen die Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung, die Reduzierung der Belastung des Abwassers, ein verbesserter Landschaftswasserhaushalt sowie die klimaresiliente Entwicklung unserer Dörfer und Städte im Fokus. Gemeinsam mit allen Akteuren und Betroffenen (aus Staat, Kommunen, Verbänden, Sonstigen) werden Projekte und Maßnahmen in neun Themenbereichen geplant, umgesetzt und evaluiert, um zum Beispiel

  • die grundlegende Daseinsvorsorge, zu der eine sichere Versorgung mit Trinkwasser gehört, zu verbessern
  • technische Wasserinfrastrukturen zu überprüfen und anzupassen (z. B. öffentliche Wasserversorgung, Fernwasserversorgung, Abwasseranlagen, Speicher und Überleitungen)
  • den Landschaftswasserhaushalt zu stärken und – wo sie notwendig ist – Bewässerung nachhaltig und umweltverträglich zu gestalten
  • die Entwicklung urbaner Räume nach dem „Schwammstadtprinzip“ voranzubringen
  • Wasser- und wasserabhängige Umweltqualität auch unter Stressfaktoren sichern
Trinkwasserversorgung: Dezentrale Struktur, regionaler Verbund und Ertüchtigung der Fernwasserversorgung

Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist insbesondere unter Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels in Bayern auch zukünftig sicherzustellen. Der Fokus liegt auf der ortsnahen öffentlichen Trinkwasserversorgung. Diese soll durch interkommunale Verbünde und überregionale Versorgungsstrukturen unterstützt und nachhaltig gesichert werden.
In Bayern wird das Trinkwasser zu rund 90 v.H. aus dem Grundwasser gewonnen. Grundwasser ist als Trinkwasserressource am besten geeignet, denn es erfüllt i.d.R. bereits ohne weitere
technische Aufbereitung die qualitativen Anforderungen an Trinkwasser. In Zeiten steigenden
Wasserbedarfs und gleichzeitig zunehmender Trockenheit ist die sichere Versorgung der
Bevölkerung mit Trinkwasser von besonders großer Bedeutung. Grundwasser soll deshalb bevorzugt der Trinkwasserversorgung dienen.

Flächenhafter Grund- und Trinkwasserschutz

Wasserschutzgebiete (WSG) stellen den wichtigen und dringlichen Schutz unserer Wasserressourcen zur Trinkwassergewinnung dar. Die Größe eines Wasserschutzgebietes bemisst sich in Bayern durch die Differenzierung der Einzugsgebiete nach den Empfindlichkeiten in drei Risikostufen. Die fachlichen und rechtlichen Erfordernisse zum Trinkwasserschutz werden nach neusten Erkenntnissen überarbeitet und die bestehenden Schutzgebiete entsprechend an die allgemein anerkannten Regeln der Technik angepasst. Hierzu bedarf es entsprechender Rechtsverfahren an den Unteren Wasserrechtsbehörden.

Spurenstoffe, stoffliche Belastungen und Abwasser

Im herkömmlich gereinigten Kommunalabwasser verbleiben nicht abbaubare, stabile Spurenstoffe, die in Gewässer gelangen und sich damit nachteilig auf die Gewässerökologie sowie die Nutzung der Gewässer zur Trinkwassergewinnung auswirken können. Für den Schutz der aquatischen Umwelt und einen langfristigen Erhalt der Versorgungssicherheit mit sauberem und gesundem Trinkwasser stellt die Nachrüstung von ausgewählten Kläranlagen mit 4. Reinigungsstufen zur Spurenstoffelimination ein zentrales Bewirtschaftungsziel dar. Der Nährstoffeintrag in abflussschwache Gewässer muss stellenweise noch weiter verringert werden, deshalb sind dort weitere Maßnahmen zur Reduktion von Phosphor- und Stickstoffeinträge auch bei Abwasseranlagen vorgesehen.
Darüber hinaus ist anzustreben, dass der Austrag von abbaustabilen Spurenstoffen schon durch geeignete Maßnahmen bei der Herstellung und Anwendung von spurenstoffrelevanten Produkten möglichst gering gehalten wird, z. B. durch einen weitgehend geschlossenen Wasserkreislauf im Produktionsprozess.

Optimierung Speicher und Überleitung

Ausgeprägte Trockenperioden haben die Notwendigkeit von Niedrigwasserspeichern aufgezeigt und die bereits in Betrieb genommenen Niedrigwasserspeicher (Förmitztalsperre und Rottachsee) sowie das flussgebietsübergreifende Donau-Main-Überleitungssystem nachdrücklich bestätigt. 15 der 25 Staatlichen Wasserspeicher dienen auch zur Niedrigwasseraufhöhung, um eine ausreichende Wasserführung und damit insbesondere den Lebensraum von Fischen und anderer Gewässerlebewesen zu sichern, Nutzungen der Gewässer zu ermöglichen und die Sozialfunktion zu stärken. Die Optimierung der bestehenden Wasserspeicher sowie des Überleitungssystems werden durch die Wasserwirtschaftsverwaltung stetig vorangetrieben.

Nachhaltige landwirtschaftliche Bewässerungsstrukturen

Aufgrund des Klimawandels sowie wachsender Anforderungen an die Landwirtschaft (z. B. Ertrags- und Qualitätserhalt, Zunahme bewässerungsbedürftiger Kulturen) ist künftig in Bayern mit einem erhöhten Bewässerungsbedarf zu rechnen. Deshalb und aufgrund fallender Grundwasserstände wird auch in Bayern Wasser für Bewässerung nicht immer und überall in ausreichender Menge oder Qualität zur Verfügung stehen. Neben dem Wassersparen und dem vermehrten Einsatz trockenheitsangepasster Kulturen gilt es nachhaltige Bewässerungsstrukturen aufzubauen und sparsame Bewässerungsmethoden zu etablieren. Die grundsätzliche Federführung hinsichtlich der Landnutzung sowie der Bedarfs- und Nutzungsaspekte der Landwirtschaft und damit für den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Bewässerung liegt bei der Landwirtschaftsverwaltung. Die Wasserwirtschaftsverwaltung unterstützt diesen Prozess mit Fachexpertise zu den Wasserressourcen und durch Pilotprojekte.

Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts

Trotz aller technischen Speichermöglichkeiten, Beileitungen oder Überleitungen – keine technische Errungenschaft kann die natürlichen Wasserspeicher (Landschaft, Gewässer, Boden, Moore) auch nur annähernd volumenmäßig ersetzen. Es gibt viel zu tun, um das Wasserspeicherpotential der Kulturlandschaften Bayerns wieder zu vergrößern und damit einen klimaresilienten Landschaftswasserhaushalt herzustellen. Ein intakter natürlicher Landschaftswasserhaushalt speichert und versickert Regenwasser, dämpft Abflussspitzen in Gräben und Fließgewässern, reichert Grundwasser an und stabilisiert den Wasserhaushalt in Trockenzeiten.

Etablierung einer wassersensiblen Siedlungsentwicklung (Schwammstädte)

Niederschlagswasser vor Ort direkt zu versickern oder wie in einem Schwamm zu speichern, anstatt es sofort abzuleiten, ist künftig der Weg, um auch in bebauten Gebieten besser mit Starkregen, Hitze und Dürre umzugehen. Dies erfordert ein Umdenken in der Siedlungsentwicklung. Ziel muss der Erhalt der natürlichen Wasserbilanz sein. Dazu bedarf es einer dezentralen Niederschlagswasserbewirtschaftung mit versickerungsfähigen Flächen, weitgehendem Regenrückhalt durch Gebäudebegrünung und Zisternen, Mulden mit Verdunstung und Versickerung sowie Nutzung des gespeicherten Niederschlagswassers statt schnellstmöglicher Ableitung. Dadurch werden Sicherheit, Lebensqualität und Artenvielfalt in Siedlungsbereichen verbessert.

Moderne Messnetze und Managementsysteme

Das Monitoring und die Managementsysteme der bayerischen Wasserwirtschaft liefern auf der Basis von Messdaten zu Wasserhaushalt und Gewässerqualität sowie von Modellen die Grundlage für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen und Anpassungsmaßnahmen sowie für Warn- und Alarmpläne und Informationsdienste. Zukünftige Entwicklungen müssen auf Basis aktueller Forschungsergebnisse integriert werden, Niedrigwasserinformationsdienst und Niedrigwassermanagementsysteme sind weiter auszubauen. Anpassung und Weiterentwicklung des Monitorings und der Modelle sowie die Verdichtung von Messstellen und Messdaten in der Fläche sind dafür erforderlich.
Die Monitoringergebnisse zu Grund- und Oberflächenwasser fließen auch in die Maß-nahmenplanung im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und die Erstellung der Bewirtschaftungspläne ein.

Fiskalische und gesetzlich verhaltenslenkende Maßnahmen

Anpassungen im Wassersektor benötigen lange Zeiträume und daher einerseits klare gesetzliche Rahmenbedingungen und andererseits eine langfristig ausreichende und verlässliche Ressourcenausstattung. Die Wasserwirtschaft erarbeitet unter anderem ein Konzept zur Einführung eines Wassercents und bereitet die Einführung eines digitalen Wasserbuchs zur Dokumentation der wasserwirtschaftlichen Rechtsverhältnisse an Gewässern vor.

Das Bayerische Gewässer-Aktionsprogramm 2030

Das Bayerische Gewässer-Aktionsprogramm 2030 (kurz: PRO Gewässer 2030) umfasst als Nachfolgeprogramm der bisherigen Hochwasserschutzprogramme neben dem Bereich Hochwasser auch die Themen Ökologie und Sozialfunktion. Damit werden unter anderem die gesetzlichen Anforderungen der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) und wichtige Aspekte der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sowie weiterer nationaler Gesetzesgrundlagen aufgegriffen.

  • Säule I: „Hochwasserschäden vorbeugen“ - Hochwasserschutz
  • Säule II: „Flüsse, Bäche, Auen renaturieren“ - Ökologische Gewässerentwicklung
  • Säule III: „Erlebnisse und Erholung schaffen“ - Stärkung der Sozialfunktion

Es ist vorgesehen, bis zum Jahr 2030 jährlich rund 200 Millionen Euro in den Hochwasserschutz und die ökologische Gewässerentwicklung in Bayern zu investieren. Die Inhalte und Ziele des Bayerischen Gewässer-Aktionsprogramms 2030 können einer Broschüre entnommen werden, die im Internet veröffentlicht wurde.

Programmübergreifende Felder

WASSERZUKUNFT BAYERN 2050 ist als ein Generationen übergreifendes Projekt zu verstehen. Damit es von allen Beteiligten gemeinsam getragen wird, ist eine gute Kommunikation und Partizipation hilfreich. Das zur Umsetzung der Strategie notwendige Fachwissen wird durch Wissenschaft und Forschung kontinuierlich erweitert und verbessert. Wichtig ist dabei, dass die notwendigen wasserwirtschaftlichen Daten dauerhaft langfristig erhoben werden und zuverlässig, plausibel und für alle zugänglich sind. Damit sind die zentralen programmübergreifenden Felder: Kommunikation, Forschung und Datenmanagement.

Ausblick

Die bayerische Wasserwirtschaft hat mit der Umsetzung von WASSERZUKUNFT BAYERN 2050 bereits begonnen. Die ambitionierten Ziele können aber nur im Schulterschluss mit den vielfältigen Akteuren vor Ort – wie z.B. den Behörden, Kommunen, Landwirten, Waldbesitzern, Industrie und Gewerbe und den Verbänden sowie den Planern der verschiedensten Fachdisziplinen erreicht werden. In den kommenden Jahrzehnten wird die Wasserwirtschaft als Partner diesen Prozess unterstützen und begleiten.

Weiterführende Informationen

Grundwasserschutz und Wasserversorgung

  • Wasserversorgung in Bayern
  • TUM-Expertenbericht zur zukünftigen Wasserversorgung in Bayern

Speicher und Überleitung

  • Stauseen in Bayern

Hochwasserschutz

  • Europäische Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie

Gewässerökologie

  • Gewässerbewirtschaftung gemäss Wasserrahmenrichtlinie

Trockenheits- und Niedrigwassermanagement

  • Niedrigwasser

Schwammstadt

  • Wassersensible Siedlungsentwicklung
  • Angebot Stadt.Klima.Natur

Sozialfunktion

  • Freizeit und Erholung an Bächen und Flüssen: Das Projekt Sozialfunktion
  • Wertach vital
  • Leben an der Streu eindrucksvoll dokumentiert
  • Der Isar-Plan

Forschung

  • Projekte zu Klimawandel und Wasserhaushalt
  • KLIWA - Klimaveränderung und Wasserwirtschaft
  • The ClimEx Project
  • Projekte des Bayerischen Landesamts für Umwelt
  • Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung der TUM

Förderung

  • Förderung Wasserwirtschaftlicher Vorhaben

Weitere Angebote

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